SAFE HEAVEN (but: Heaven can wait)

Nichts ist sicher. In der Nacht leuchten die Zaunpfähle. Straßen führen nach Nirgendwo. Aus dem Dunkel treten einsame Gestalten. Alle warten. Doch worauf? Schau her: Wen es hierhin verschlagen hat. Eine Haltestelle am Wegesrand. Niemand kommt an. Der Gekreuzigte hebt sein geschundenes Haupt nicht ins Licht der Laterne. Sandalen quietschen über den nächtlichen Beton.
In der westfälischen Provinz zieren die Landstraßen Kruzifixe. Es wird von der höchsten Schweinedichte der Republik berichtet. Mit „Artist-in-Residence“-Stipendien werden Künstlerinnen dorthin gelockt. Andere kommen als Asylbewerber in eine zentrale Unterbringungseinrichtung. Man sieht ihnen auf diesen Nachtbildern an, dass sie nicht angekommen sind dort und nicht bleiben können. Die namenlosen Fremden stehen im  erleuchtenden Zwischenraum: ruhig, geduldig, gespannt. Es ist keine Verzweiflung um diese entwurzelten Menschen, die Vanja Vukovics Fotografien in „Safe Heaven“ vorstellen, stattdessen: wache Aufmerksamkeit.
Heaven can wait and a band of angels wrapped up in my heart will take me through the lonely night.
Einer ist unterwegs in der dunklen Nacht. „Weiter! Wieder!“ Der gleitet mit seinem Fahrzeug die ländliche Straße entlang durch die Nacht. Immer wieder. Immer weiter. In seinem Wahn treibt er die Entwurzelten mit seiner Fahrt aus der Dunkelheit ins Licht seiner Scheinwerfer: „Ich werde das Wild erlegen.“ Seine Fahrt kennt kein Ziel. Er überprüft und kontrolliert. Er weiß nicht was; er weiß nicht wen. Die Straße soll zum Himmel führen. Der Wächter ist unterwegs.
Heaven can wait. Give me all of your dreams and let me go along on your way. Give me all of your prayers to sing and I´ll turn the night into the skylight of day.
Guido Rohm hat zu Vanka Vukovics Fotoserie  für FaustKultur  einen Text geschrieben. Den entwurzelten Gestalten Vukovics begegnet ein einsamer Fahrer, der Nacht für Nacht die Straße abfährt, auf der Suche nach Gesichtern: „Sie sind mein Stoff. Diese Gesichter. Diese vielen Gesichter.“ Der Mann im blauen Pullover. Das Mädchen mit den hellen Turnschuhen. Die Frau im weißen T-Shirt. Ihre Körper sprechen, wo ihre Lippen schweigen. Sie haben keine andere Sprache, als jene, die er hört, wenn er in der Stille der Nacht an ihnen vorüber fährt. „Ich werde vom Blau des Himmels träumen.“
Heaven can wait and all I got is time until the end of time well I won´t look back. Let the altars shine.
FaustKultur bringt mit diesem schön gestalteten Foto-Text-Band zwei Grenzgänger zusammen:  Vanja Vukovic, die in Montenegro geborene Frankfurter Fotografin, und Guido Rohm, den Fuldaer Autor, den der Klappentext als „Genreflüchtling“ bezeichnet. Wie Vukovics Bildsprache die alltägliche Fremdheit der Migranten durch die Nacht scheinen lässt, so migrieren die Versatzstücke des Trivialen in Rohms Texten in die Literatur. Beide unterlaufen Erwartungshaltungen, jedoch nicht durch Überwältigung, sondern als Schleuser, die das Fremde über die grünen Grenzen des Bewusstseins in die Landläufigkeit einführen.
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