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Willkommen auf Mellick III

Und dann geschieht es, und das, obwohl wir längst nicht mehr damit gerechnet haben. Plötzlich – die Sonden des Literaturbetriebs sausen seit Jahrzenten unaufhörlich durch das Weltall auf der Suche nach bewohnbaren Planeten – taucht ein pinkfarbener Gesteinsbrocken im Portland-Nebel auf. Die Schiffe landen auf einem gigantischen Bonbon, der dort draußen in den Weiten einer tiefschwarzen Nacht seine trunkenen Runden torkelt, verfangen in einer von bunten Stürmen durchpeitschten Dunkelheit, die sich selbst unaufhörlich lutscht – und zu verschlucken droht. Wir sind in einen Organismus geraten, der sich gebärt und verspeist, der sich Buch für Buch erfindet und vernichtet.

Carlton Mellick III

Carlton Mellick III

Willkommen auf Mellick III. Willkommen auf der Kopfhautoberfläche eines Planeten, von dem Unbedarfte behaupten, er sei ein Mensch, mindestens aber ein Mann. Werch ein Illtum, um es mit Jandl zu sagen.
Carlton Mellick III schreibt irre Bücher, nicht irgendwelche irren Bücher, sondern die momentan irrsten Prosastücke, die der ständig nach einem neuen Kick suchende Fiktionsjunkie sich injizieren kann. Alles drin, was von anderen Autoren unbedacht bleibt, weil es jenseits der Grenzen des Realitätsflusses verortet wird.
Mellick III aber betreibt keine Landkartenkunde, sondern stürzt sich direkt und unvermittelt in den Mahlstrom des Absurden. Er lässt sich verschlucken und kotzt, was in Hirn und Lungenflügel vorgedrungen ist, in seine kleinen unfeinen Bücher.
Mellick III schreibt Bizarro Fiction, schreibt sich um den Verstand, schreibt Löcher in den Verstand, in die Körper der Leser, schreibt sich aus, schreibt sich in alle denkbaren und undenkbaren Höllen hinab, schreibt sich in die Welt, ins Universum und darüber hinaus in alle noch zu entdeckenden Paralleluniversen.
Carlton Mellick III muss der Dritte von was oder wem auch immer sein, muss ein Doppelsternsystem sein, eine ganze Galaxis, muss wissen, dass II und I irgendwo in seinem Hirnschalenpanoptikum ihr Unwesen treiben. Ja, Mellick III ist die Antwort auf Mellick II und Mellick V.

Da sind sie. Sausen alle dort rum, sausen durch ihre eigenen Blutbahnen, durch die Blutbahnen der Leser. Mellick III ist ein psychedelischer Tornado, der dabei ist, die Literaturlandschaft zu verwüsten, umzugestalten. Ein Gärtner des lachenden Grauens. Aus Oben wird Unten, aus Groß wird Klein, aus dem Hase wird ein Mädchen mit Irokesenfrisur. Alice hat ausgedient, von nun an tobt Adolf im Wunderland. Chaos gegen Ordnung. Punk gegen Bürgertum. Endlich wieder Romane, die nicht nur rocken, sondern kaputt machen, was längst langweilt: Hochliteratur nämlich.
Bill Burroughs hätte seinen Spaß, hätte die Nadel Mellick III längst im Arm. Man kann sie beinahe beide im Panzer ihrer Illuminationen sehen. Sie setzen Schüsse auf gigantische fleischfressende Lutscher, verlieren sich im Gestrüpp des Irrationalen, der Heimat der Heimatlosen, der Berserker, der Tyrannen, der Kannibalen, denn die Literatur eines Carlton Mellick frisst alles, was nicht gefressen werden will. Mensch, du willst nicht als Nahrung dienen. Ab mit dir in meinen Magen!, schreit ein Zuckerwesen aus Candyland.
Bücher wie Zuckerwatte, die mit Gift versetzt ist. Drei deutsche Übersetzungen sind bisher beim Festa-Verlag erschienen. Die Irrenhäuser klatschen Applaus. Ich auch. Mehr davon, Festa. Mehr. Wir Süchtigen brauchen Nachschub.

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